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Natascha Kampusch und die Geier.

Ist es nicht geradezu ekelerregend, wie diverse Medien sich auf diese junge Frau stürzen? Der heutige Rummel um das gestrige ORF-Interview ist wohl nur ein vorläufiger Höhepunkt dieses Trauerspiels. Von Experten – und Solchen, die gerne welche wären – wird es seziert. Jedes Wort und jede Bewegung muss interpretiert werden. Und man wird oft den Eindruck nicht los, dass einige es fürchterlich bedauern, dass keine pikanten Details verraten wurden.

Ätzend.

7 Kommentare zu “Natascha Kampusch und die Geier.”

  1. Kelloggs sagt:

    Habe mich gerade auch schon bei Roger zu diesem Thema ausgekotzt. Wer zum Geier hat dieses Interview gebraucht? Wieder einmal wird mir übel, wenn ich die Zeitung aufschlage. Nicht nur unbedingt, weil mir die Fakten dessen widerstreben, was dieser bemitleidenswerten Person widerfahren ist. Sondern wegen der Sensationslust, mit der sich die meisten Medien auf dieses Thema momentan stürzen. Ich werde das Gefühl nicht los, dass das in erster Linie zur Beruhigung des eigenen Gewissens dient: “Seht ihr, sie ist stark, es geht ihr gut.” Wuäh! Wozu braucht jemand, der 8 Jahre lang gegen seinen Willen in einem Keller festgehalten wurde einen PR-Berater? Das ist alles der volle Wahnsinn!

  2. Der Roger sagt:

    Wahnsinn ist es wohl. Warum jemand einen PR-Berater braucht? Weil die heutigen Medien so dermassen hinter einem her sind, wenn man so eine Geschichte hat, dass man jede Hilfe brauchen kann. Und ich habe in meinem Blog schon drauf hingewiesen, dass Natascha hier alles richtig gemacht hat: Die Fragen, die sie beantworten wollte, sind beantwortet, sie hat klar gestellt, was sie nicht erzählen will, sie hat ihr Gesicht gezeigt, sie hat ihren Namen und ein etwaiges Buch und die Spendenkontonummer ins Gesspräch gebracht. Das heißt, sie hat die bösen Medien zu ihren Gunsten benutzt. Recht so. Das ist meiner Meinung nach das mindeste.

  3. Kelloggs sagt:

    Schon klar, dass das heute so ist. Das ist ja genau das, was ich an der Geschichte so widerlich finde. Allerdings glaube ich nicht, dass man die Medien wirklich für sich nutzen kann. Für einen Moment vielleicht. Aber die Retourkutsche kommt immer.

    Das Land verlassen und irgendwo unbemerkt zur Ruhe kommen wäre die bessere Wahl gewesen. Außerdem bezweifle ich, dass jemand der das erlebt hat, bereits nach so kurzer Zeit eine wirklich überlegte Entscheidung dieses Ausmaßes überhaupt treffen kann.

    Und genau deshalb hätten die Medien hier ethische Kompetenz beweisen sollen und warten.

  4. JC sagt:

    Neulich sah ich am Spätnachmittag irgendwo in der Glotze eine Sendung, plötzlich blendet der Sender unten ein, dass er am Abend die “ersten Bilder von Natascha” zeigt. Nur ein Steinchen aus diesem Ekelmosaik.

    Es ist OK, über diesen Fall zu berichten. Gar keine Frage. Es ist Job der Medien, uns mit Nachrichten zu beliefern. Es geht aber immer auch um das wie. Wie die Information verbreitet wird. Und wie mit den Beteiligten ungegangen wird.

    Ich fänd’ es jedenfalls ziemlich uncool, nach acht Jahren Geiselhaft irgendwo ein Versteck finden zu müssen, um mich vor den “Reportern” der Boulevardpresse schützen zu können.

    Ethisch sauberes Verhalten? Kelloggs, das können wir vielleicht von der Tagesschau oder renommierten (und seriösen) Tageszeitungen erwarten, aber leider gibt es ja auch andere…

  5. Der Roger sagt:

    So ist es leider. Wenn man den Blätterwald beäugt merkt man, dass die seriösen Zeitungsleute und Medienmacher einen Gang zurück geschalten haben. Unseriöse werden nie zurück schalten, weil sie genau das als ihre Aufgabe sehen.
    Deiner Meinung nach hätte Natascha also fliehen sollen? Wohin? Was glaubst du wie die Preise für ein Foto und Interview von ihr in die Höhe geschossen wären? Oder verstecken? Das mädchen war acht Jahre eingesperrt. Ich würd nen Scheiß für ein Versteck geben.
    Wie Du selbst sagst, Kellogs, nimmt sowas nie ein Ende. Da hast du, wie gesagt, leider Recht. Genau deshalb war es richtig von Natascha, ein Zeichen zu setzen: So ist es, bis hierher und nicht weiter.
    Für mich, für viele Menschen, für viele Medien ist das auch in Ordnung. Wenn es das für die Bild Zeitung nicht ist, sagt das im Grunde nur etwas über Boulevard Journalismus aus.
    Ich wiederhols nochmal: Wir leben in einer Zeit, wo JEDE Tragödie bis ins letzte öffentlich seziert wird. Sich zu verstecken oder zu flüchten hilft da gar nix.

  6. Kelloggs sagt:

    Naja, ich glaube man kann diese Diskussion bis ins Unendliche weiterführen, da niemand weiß, wie die Geschichte weitergeht. Ich jedenfalls glaube, dass man den Medien keine Grenzen setzen kann. Ich glaube nicht, dass Paparazzi und B-Journalisten nach dem Interview besänftigt sind und abziehen. Immerhin gibt es noch so viel zu berichten:

    – der erste Nervenzusammenbruch in Freiheit
    – Natascha auf dem Weg zum Alkoholismus
    – Nataschas Schullaufbahn
    – usw. usw. usw.

    Warten wir einfach mal, was da noch kommt. Dann können wir uns wieder gemeinsam ekeln. Vor den Idioten die den Dreck schreiben und denen, die ihn begierig in sich reinschlingen.

  7. JC sagt:

    Nuja… Panem et circenses… Und weil man heute niemanden mehr in der Arena beim Abkratzen begucken kann, braucht man eben Sensations”journalismus”. Die Zielgruppe will es. Siehe auch hier: http://www.mela.de/archives/562-Bei-manchen-Suchbegriffen….html

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