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Wer nicht mehr weiter weiß, greift zum Verbot

So will laut Golem das Bundesland Bayern die Handy-Nutzung an Schulen verbieten:

Bayern reagiert auf das Auftauchen von Porno- und Gewaltvideos auf Schüler-Handys. Das bayerische Kabinett hat dazu ein Nutzungsverbot für Handys an Schulen beschlossen. Auch während der Pausen dürfen die Geräte künftig nicht mehr genutzt werden, mitbringen dürfen die Schüler ihre Handys aber sehr wohl.

Bayerns Kultusminister Schneider zitiert Golem wie folgt:

Die Schule ist nicht der Ort zum Telefonieren und schon gar nicht für die Verbreitung jugendgefährdender Machwerke. Diesem Erziehungs- und Schutzauftrag muss ein grundsätzliches Nutzungsverbot für Handys in unseren Schulen gerecht werden.

Grundsätzlich ist es natürlich in der Tat nicht notwendig, in der Schule zu telefonieren oder zu SMSen. Und natürlich sollen gerade auf dem Schulhof jugendgefährdende Machwerke nicht verbreitet werden. Aber dass ein Nutzungsverbot hier effektiv sein soll, wage ich doch schwer zu bezweifeln. Schlimmer noch: Man scheint in Bayern – aufgeschreckt durch Zeitungsmeldungen – der Meinung zu sein, das Problem mit jugendgefährenden Videos auf den Telefonen der Kids so aus der Welt schaffen zu können?

Dann tauschen die Jugendlichen ihre Gewaltvideos eben vor dem Schulhof aus. Wie von Zauberhand verschwinden werden sie deswegen keinesfalls. Wenn wir denn davon ausgehen, dass es wirklich überprüfbar ist, ob die ganzen Mobiltelefone wirklich ausgeschaltet sind – oder eben nur lautlos funken. Oder will man Lehrkörper und Hausmeister mit Scannern ausstatten, die eingeschaltete Telefone entlarven?

Im September wollte Günther Beckstein (CSU) sich im Internet informierende Bombenbastler mit “guten Filterprogrammen” beschränken. Ich erwarte neue Forderungen nach Zensur aus Bayern. Spätestens wenn in der Staatskanzlei realisiert wird, dass so ein Nutzungsverbot von Mobiltelefonen an Schulen die Verbreitung jugendgefährdender Videos unter den Schülern nicht wirkungsvoll verhindern kann. Vielleicht hat ein technisch nicht so bewanderter Politiker ja die rettende Idee, dass jugendgefährdende Videos mit “guten Filterprogrammen” von den Telefonen der Kinder effektiv zu verbannen wären? [Sicher wäre es denkbar, dass eine Software an gewissen Merkmalen die Inhalte eines Videos “erkennt” und den Zugang beschränkt – dummerweise sind die Kiddies aber meistens technisch fitter als ihre Eltern und würden Mittel und Wege finden, sowas zu umgehen.]

Aber gut. Nun kann die Politik den Stammtischen in Bayern erzählen, dass sie etwas gegen das Problem unternommen hat. Vielleicht wissen die besorgten Eltern ja ebensowenig wie die Politiker, dass man ein Mobiltelefon auf “lautlos” stellen und sogar den Vibrationsalarm deaktivieren kann. Und vielleicht glauben sie ja ernsthaft, dass ihre Kinder nur in der Schule Dinge tun, die sie nicht tun sollen.

Oder die bayerische Politik hält es mit Pontius Pilatus und will nur ihre Hände in Unschuld waschen können. Schließlich hat man ja ein Verbot ausgesprochen!

Update (30.03.): Bei der Süddeutschen finden sich zehn triftige Gründe gegen das Verbot.

3 Kommentare zu “Wer nicht mehr weiter weiß, greift zum Verbot”

  1. Mela sagt:

    Tja. Sinnvoll wäre in den Schulen aufzuklären. Einmal über die strafrechtliche Relevanz solcher Videos, aber auch über die psychischen Folgen für Opfer. Ich denke da herrscht teilweise ein ziemlich maues Unrechtsbewusstsein und wenn man daran arbeitet hilft das nicht nur bei Gewaltvideos.

  2. JC sagt:

    Aber das erfordert wohl mehr Aufwand, als so ein “wirkungsvolles” Verbot :-/

  3. Mela sagt:

    Ja und es kostet vor allem.

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