» Home

Saubere Kleidung?

Bild: mit freundlicher Genehmigung der Kampagne für Saubere Kleidung / Dietrich WeinbrennerNein, es geht nicht um Waschmittel oder so. Es geht um “sozial saubere” Kleidung. Also um Kleidung, bei deren Herstellung soziale Mindeststandards eingehalten werden. Dafür setzt sich die “Kampagne für Saubere Kleidung” ein: Sie hat entsprechende Verhaltenskodizes entworfen und will erreichen, dass die Bekleidungsindustrie diese unterstützt und deren Einhaltung bei ihren Subunternehmern auch durchsetzt.

Viele Hersteller lassen ihre Waren von Unternehmen in Billiglohnländern produzieren. Soziale Standards – wie wir sie kennen – sind dort nicht unbedingt selbstverständlich. Deswegen sollen folgende Kernstandards erreicht und deren Einhaltung nicht nur in Absichtserklärungen blumig versprochen, sondern auch vor Ort von einer unabhängigen Instanz kontrolliert werden: Freiwillige Beschäftigung, keine Diskriminierung bei der Beschäftigung, keine Kinderarbeit, Achtung der Vereinigungsfreiheit und des Rechtes auf Tarifverhandlungen, Zahlung ausreichender Löhne, keine überlangen Arbeitszeiten, menschenwürdige Arbeitsbedingungen, feste Beschäftigungsverhältnisse.

Es wird darauf gesetzt, dass die Markenhersteller das Negativ-Image fürchten. Teilweise durchaus mit Erfolg, wie ein Pilotprojekt mit Puma zeigt. Andere Unternehmen waschen laut der “Kampagne für Saubere Kleidung” ihre Hände in Unschuld, wenn ihre Zulieferer Grund zur Beanstandung geben: So sieht sich beispielsweise Adidas mit dem Vorwurf der Kampagne konfrontiert, Mitverantwortung für die Ausbeutung von Arbeiterinnen durch einen Lieferanten zu tragen.

Mir als Käufer könnte die Näherin in El Salvador oder Thailand theoretisch egal sein. Wenn ich mir jedoch die Preise der Produkte und die Margen der Unternehmen anschaue, sehe ich eigentlich nicht ein, warum diese Näherin nicht Rechte genießen sollte, die eigentlich vollkommen selbstverständlich sind.

7 Kommentare zu “Saubere Kleidung?”

  1. Mela sagt:

    Und warum produzierende Betriebe Menschen wie selbstverständlich als Rohstoffe betrachten, ja.

  2. Boche sagt:

    Mmh. Wie wird denn entschieden, was ein “ausreichender Lohn” ist?

    Ich halte die Kontrolle für sinnvoll, die Sklavenarbeit ausschließt. Alles darüber hinausgehende könnte unerwünschte Folgen haben. Zum Beispiel die, dass es statt schlecht bezahlter Arbeit wieder gar keine Arbeit gibt.

  3. Rayson sagt:

    In Ergänzung zu Boche:

    http://www.aworldconnected.org/article.php/525.html

  4. JC sagt:

    Boche:

    Ausreichende Löhne sind von der Kampagne so definiert:

    5. Zahlung ausreichender Löhne

    Die Löhne und sonstigen Leistungen für eine normale Arbeitswoche müssen zumindest den gesetzlichen oder für die Industrie geltenden Mindestlöhnen entsprechen und stets ausreichen, um die Grundbedürfnisse der ArbeitnehmerInnen und ihrer Familien zu erfüllen und darüber hinaus einen Betrag zur freien Verfügung enthalten.

    Weder sind Abzüge von Löhnen als Strafmaßnahme erlaubt noch sind Abzüge ohne die ausdrückliche Erlaubnis der betreffenden ArbeitnehmerInnen gestattet, die nicht durch die nationalen Gesetze begründet sind. Alle ArbeitnehmerInnen erhalten schriftliche und verständliche Informationen über die Lohnbedingungen vor Aufnahme der Arbeit und über die genauen Angaben zu ihrem Lohn für jeden

    [Quelle: http://www.sauberekleidung.de/3-fs-kodex.htm]

    Wir sprechen dabei von Löhnen, die so in so exorbitanten Höhen wie etwa US$ 150 im Monat liegen (El Salvador).

    Wenn wir beschließen, dass uns allerdings vollkommen egal ist, unter welchen Bedinungen (aller Sklavenarbeit) Arbeiter in der Dritten Welt für uns arbeiten: Warum kümmert es uns, ob sie überhaupt Arbeit haben?

    Rayson:

    Interessanter Beitrag, sicherlich. Er beschreibt im Wesentlichen die Motive der Vertreter des freien Marktes und jene der “Anti Sweatshop”-Aktivisten – in Personalunion mit Globalisierungsgegnern. Nur: Was willst Du damit sagen, wenn Du ihn hier anbietest? Soll der freie Markt ohne Einschränkungen herrschen?

    Was stellen wir eigentlich fest, wenn wir von heute mal zurück in unser Europa von vor ca. 150 Jahren blicken und Vergleiche ziehen?

  5. Rayson sagt:

    @JC

    Was heißt “ohne Einschränkungen”? Wenn mit “Einschränkungen” eine Verschlechterung der Wettbewerbsposition von Niedriglohnstandorten gemeint ist, dann sollte man sich das in der Tat generell überlegen.

    Die Sweatshops sind da, wo sie sind, weil die Bedingungen dort da so sind, wie sie sind. Änderst du etwas an den Bedingungen, verliert dieser Standort seine Vorteile gegenüber anderen Standorten.

    Und die Leute arbeiten dort, weil diese Arbeitsplätze für sie entweder attraktiver sind als andere oder sowieso ihre einzige Möglichkeit. So wird “gut gemeint” schnell zu “schlecht gemacht”, wenn solche Standortvorteile abgebaut werden und die Menschen dort auf ihre vorherigen Alternativen zurückgeworfen werden.

    Vor einiger Zeit hat sich mal eine Organisation betroffener Kinder zum Thema Kinderarbeit geäußert. Das war ziemlich interessant: Sie standen den Bemühungen des Westens, ihnen ihre Arbeitsplätze wegzunehmen, nicht gerade positiv gegenüber. War die Alternative doch nicht etwa Schulbesuch, sondern Feldarbeit.

    Es gibt übrigens keinen populäreren Protektionismus als den über “Sozialstandards”.

    Wenn wir heute in unsere Wirtschaftsgeschichte zurückblicken, sehen wir, dass der Weg der Verbesserung der Lebensbedingungen letztlich nur über eine Verbesserung der Produktivität funktioniert. Erst dann entsteht tatsächlich etwas zusätzlich Verteilbares, das sich dann die Arbeiter erstreiken können oder der Staat umverteilen kann.

    Tatsächlich lässt sich dies auch bei ehemaligen Entwicklungsländern beobachten: Kaum eins, das als Niedriglohnland angefangen hat, sich dem internationalen Wettbewerb zu stellen, ist auch eins geblieben. Auch Deutschland nicht – “Made in Germany” war ursprünglich ein Warnhinweis für englische Konsumenten vor der Billigware aus Germanien.

  6. JC sagt:

    Rayson:

    “Made in Germany” war weniger ein Warnhinweis vor minderwertiger Ware, denn vielmehr ein Diskriminierungsversuch – ganz so schlecht können die Produkte nicht gewesen sein, zumal daraus noch dazu ein Qualitätssiegel wurde. Aber lassen wir solche Details.

    Wenn wir in unsere Wirtschaftsgeschichte zurückschauen, sehen wir auch, dass Unternehmer vor dem Staat auf die Idee kamen, dass Mitarbeitermotivation durch Anreize funktionieren kann. Und wir sehen, dass die Europäer (und Nordamerikaner) – mit einem gewissen Abstand Großbritannien folgend – die ersten waren, die diesen Weg beschritten und dadurch ihre Vorteile gegenüber anderen auszubauen und zu zementieren wussten.

    Zu den Sweatshops. Natürlich existieren sie dort wo sie sind, weil dort die entsprechenden Bedingungen vorzufinden sind. Sprich: Weil diese Unternehmen zu Spottpreisen für die großen Hersteller produzieren können und diese Preise ausschlaggebend sind. Wenn es darum geht, die Arbeitsbedingungen zu verbessern und Du anguckst, was auf der Sozialcharta steht, wirst Du feststellen, dass es nicht darum geht, die Kosten empfindlich zu erhöhen. Es wird sich an Mindestöhnen orientiert. Und es geht um Dinge, die letztlich die Produktivität nicht verschlechtern, sondern verbessern. Zum Beispiel Hygiene und Sicherheit am Arbeitsplatz. Da geht es – wie ich in einem Interview im Radio hörte – etwa darum, dass die Frauen erkranken, weil sie – ein Beispiel – kein Trinkwasser zur Arbeit mitbringen dürfen, gleichzeitig am Arbeitsplatz nur unsauberes Wasser vorfinden und auf zwei Toilettengänge pro Tag beschränkt werden. In äquatorialem Klima. Folge: Häufige Erkrankungen und natürlich auch entsprechende Ausfälle. Wenn der Subunternehmer kurzsichtig handelt, ändert er nichts an den Bedinungen und ersetzt ausgefallene Arbeiterinnen kurzfristig. Ganz ohne zu prüfen, ob verbesserte Bedingungen vielleicht auf den ersten Blick einen Einsatz erfordern, langfristig aber die Produktivität auf einem höheren Niveau halten.

    Aber letztlich: Ja, es geht natürlich bei alledem nicht nur um die rein wirtschaftsliberale Betrachtungsweise. “Laissez-faire”-Politik oder eben doch ein wenig soziale Verantwortung.

  7. Rayson sagt:

    “Soziale Verantwortung” klingt immer gut, und so wird manche Tat an ihrer Motivation gemessen und nicht an ihrem Ergebnis. Wenn man dann auf gewisse “wenn-dann”-Bedingungen hinweist, ist man der “wirtschaftsliberale” Spielverderber, herzlos und kalt. Sei’s drum.

    Wenn die Verbesserungen der Arbeitsbedingungen letztlich die Produktivität erhöhen, werden sie sich am Markt durchsetzen. Das ist ja das Schöne an diesem “Entdeckungsverfahren”: Irgendeiner kommt immer auf die Idee, und wenn er damit Erfolg hat, zwingt er die anderen zum Nachziehen.

Hinterlasse einen Kommentar

Bitte halte Dich an die Netiquette. Danke!

XHTML: Diese Tags kannst Du verwenden: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

kostenloser Counter