» Home

Grundgehalt für alle?

Bei Externspeicher bin ich über ein interessantes Interview mit Götz W. Werner gestolptert, dem Inhaber der Drogeriekette “dm” und Leiter des “Interfalkutativen Instituts für Entrepreneurship” an der TH Karlsruhe. Es geht darin um seine Gedanken zu einem über Konsumsteuern finanziertes Grundgehalt.

Wenn wir uns mit damit abfinden, dass Vollbeschäftigung mit zunehmendem Fortschritt immer unwahrscheinlicher wird, sollten wir alternative Konzepte beleuchten. Betrachten wir zudem, wie viele Menschen bereits heute ihr Leben zumindest teilweise über Leistungen des Staates bestreiten, sind Konzepte wie das “Grundgehalt” vielleicht gar nicht so utopisch, wie sie auf den ersten Blick klingen mögen?

Klar ist allerdings auch, dass die Umsetzung eines solchen Konzeptes ein breites Umdenken in der Gesellschaft erfordern würde… und hier bin ich weit skeptischer als bei rein technischen Fragen wie der Finanzierbarkeit und der globalen Harmonisierung.

13 Kommentare zu “Grundgehalt für alle?”

  1. Mela sagt:

    Hehe, ein gutes Jahr nachdem das Interview schon durch Klein-Bloggersdorf getrieben wurde, kommt es auch bei dir an? Ich finde die Idee faszinierend, vorraussehend und weise. Der Mann hat Recht. Gerade in der Produktion bemüht sich die Wirtschaft nicht darum Arbeitsplätze zu schaffen, sondern durch mehr Automation Arbeit abzubauen.

    In den Bereichen in denen Arbeit in rauhen Mengen zu finden wäre, können und wollen wir sie uns nicht leisten (Kinderbetreuung z.B. /soziale Dienste / Ausbildung)

    Eine Grundsicherung könnte die Gesellschaft nachhaltig verändern.. und das wahrscheinlich nicht zum Negativen.

    Neben all den Behauptungen über arbeitssscheue Beschäftigungslose übersehen sehr viele das Arbeit nicht nur Geld, sondern auch Anerkennung bringt. Den Sinn im Leben den viele brauchen.. aber nicht haben..

  2. Rayson sagt:

    Klar, ich bin dafür. Der Strom kommt aus der Steckdose und das Gehalt vom Staat. Haben wir auf unserem alten B.L.O.G.-Standort schon heftigst diskutiert ;-)

  3. JC sagt:

    Ich habe keinesfalls den Anspruch, immer nur über das aktuellste vom Tage zu bloggen und dieses Interview war mir halt nicht bekannt (wohl aber die Grundzüge u. a. auch Werners Ideen zum Thema, ganz blind gehe selbst ich nicht durch die Welt).

    Und, Rayson: Ich sehe das Konzept nicht zwingend als Allheilmittel an. Ich habe mich nicht ausführlich mit dem Thema befasst, halte die Idee aber nicht prinzipiell für vollkommen abstrus. Und ja: Ich habe Lust am der Arbeit und könnte mir nicht wirklich vorstellen ein Leben im ewigen Müßiggang zu führen.
    Wir haben “da draussen” aber ein riesiges Heer von Menschen, die als arbeitsscheue Elemente stigmatisiert und ausgegrenzt werden, weil sie Arbeitslos sind. Zu alt. Zu jung. Nicht qualifiziert genug. Überqualifiziert.
    Konzepte, wie wir die Arbeitslosenzahlen wirksam, dauerhaft und im großen Rahmen reduzieren? Fehlanzeige. Gleichzeitig kenne ich viele, die Berge von Überstunden vor sich her schieben.

    Ist das Grundeinkommen die Lösung? Nun… Ich hege starke Zweifel an seiner Umsetzbarkeit. Steht da oben ja auch. Dennoch leiste ich mir den Luxus, mich über solch utopisch anmutenden Ideen zu informieren. Und darauf zu verzichten, im Supermarkt an die SB-Kasse zu gehen, sondern zur Daseinsberechtigung der Kassiererinnen beizutragen – solange sie nicht wegrationalisiert werden und sich in die Reihen der angeblich Arbeitsunwilligen einordnen müssen.

    [Schreien wir Akademiker erst auf, wenn unsere “Kollegen” aus der Informatik anfangen, uns überflüssig zu machen? Vermutlich sind das dann übrigens “out-ge-source-te” Informatiker in Indien, die geben sich trotz vergleichbarer Qualifikation mit einem geringeren Stundenlohn zufrieden.]

  4. Rayson sagt:

    ch habe Lust am der Arbeit und könnte mir nicht wirklich vorstellen ein Leben im ewigen Müßiggang zu führen.

    Na prima, dann weiß ich ja schon, wer mich in einem solchen Fall versorgen würde ;-) Ich würde nämlich die “Müßiggang”-Option wählen bzw. die Beschäftigung mit Dingen, die mir kein Markt abkaufen wird.

    Keiner kann ein Patentrezept gegen Arbeitslosigkeit präsentieren, weil sich über Jahrzehnte viel zu viel in der falschen Richtung festgefahren hat bei uns. Ich weiß aber eins: Der Wunsch nach großen Rundumschlägen ist stets umgekehrt proportional zu deren Sinngehalt.

    Dennoch leiste ich mir den Luxus, mich über solch utopisch anmutenden Ideen zu informieren.

    Das ist ein freies Land. Ich bin ja auch dem Hype erlegen, habe aber zur Buße die Kritik formuliert, die dann in den Kommentaren von Gegnern und Befürwortern diskutiert wurde…

    Meine Kritik ist zuvörderst keine an der Umsetzbarkeit – die ist bei solch genialen Entwürfen von Privatgelehrten quasi mit eingebaut -. sondern eine der Botschaft. Teil unseres Problems ist ja, dass wir bereits den Einzelnen von zu vielen Elemente des Lebens individuell abgekoppelt und dafür mit dem Wohlfahrt versprechenden Staat verflanscht haben. Da noch einen oben drauf zu setzen, ist für unser Denken nicht inkonsequent, aber mehr in Shakespeares Beziehung von Wahnsinn und Methode.

    Vermutlich sind das dann übrigens “out-ge-source-te” Informatiker in Indien, die geben sich trotz vergleichbarer Qualifikation mit einem geringeren Stundenlohn zufrieden.

    Wunderbar, da werden die Produkte ja billiger und die verfügbaren Einkommen steigen…

  5. JC sagt:

    Nur ganz kurz, weil der Tag nicht mehr so lang ist und ich noch so viel zu tun habe ;-)

    Ich halte das theoretische Modell für interessant, das macht mich noch lange nicht zu seinem glühenden Verfechter. Denn ich sehe so einige Punkte, die mich zweifeln lassen, ob ein solches Konzept sinnvoll von der Theorie in die Praxis umzusetzen wäre – was ja allgemein ein Problem von Modellen ist, die in der Regel die Realitäten stark verkürzen.

  6. Mela sagt:

    Rayon: Tja.. nur welche Einkommen?

  7. Rayson sagt:

    @Mela

    Die, die bei der Herstellung von Gütern und Dienstleistungen entstehen.

  8. Mela sagt:

    Nur das die Güter und Dienstleistungen bereits jetzt grösstenteils wo anders entstehen.

  9. Rayson sagt:

    Soweit geht noch nicht mal Sinn :-)

    Greifen wir also das Stichwort “Basarökonomie” mal auf und sagen wir statt “größtenteils” besser “vermehrt” – dafür spricht Einiges, und wenn es so ist, dann müssen wir über die Gründe reden. Zum Beispiel über die Lohnhöhe – wenn die Güter durch Importe günstiger werden, steigen dadurch ja die Reallöhne, was wiederum bei den Nominallöhnen Spielraum für mehr Konkurrenzfähigkeit bringen könnte – wenn man denn wollte.

  10. Marl Karxx sagt:

    1) Die Arbeitsproduktivität steigt unweigerlich!
    2) So sozial eine Unternehmensführung auch veranlagt sein mag, sie wird
    langfristig keine Arbeitsplätze schaffen können, wo einfach keine mehr sind!!!
    Folge: Immer weniger Menschen werden Arbeit (im herkömmlichen Sinne )haben, mit dieser jedoch immer mehr GEld erwirtschaften! Ich persönlich fände es da nicht nur logisch, sondern sogar unvermeidbar, dass denen, die keine Arbeit (s.o.) in herkömmlichen Sinne finden, bzw. auch denen, die einfach nicht arbeiten (s.o.) wollen ein gewisser Grundstandard ermöglicht wird, indem ein Teil des Sozialprodukts der “wenigen Arbeitenden” nach unten veteilt wird! Derjenige, der dann gerne über diesem Standard leben möchte, der muß dafür dann halt ( unter Umständen) auf einen Teil seiner lebensgestallterischen Freiheit verzichten!
    Die größte Gefahr dabei wäre sicherlich eine psychologische. Ich weiß halt wirklich nicht, ob Existenzkampf zwingendermaßen die Vorraussetzung für ein glückliches Leben ist. Kein GEld mehr verdienen zu müssen bedeutet ja aber nicht, dass es nicht für jeden noch genug zu tun gäbe. Wer etwas tun will, der wird auch immer etwas finden, was er tun kann.

  11. Dieter sagt:

    Über Ideen nachzudenken hat den Menschen noch nie geschadet, seien sie noch so unrealistisch, was die Idee von einem Grundgehalt meiner Meinung nach nicht ist. Ich spreche zunächst von der Idee, die diskutierbar sein sollte!

    Wie sagt der gute Denker: Was wir nicht denken können, können wir nicht tun! Genau das ist wohl auch die Problematik. Das Problem selbst aber mit dem Grundgehalt, jedem Gehalt, also letztlich des Geldes liegt ganz woanders > Den meisten Mitbürgern ist nicht klar wie sich das mit dem Erzeuger des Geldes und damit des Grundgehaltes verhält, nämlich der Bundesbank. Die Masse weiß noch nicht einmal wer die Bundesbank ist!

    Stellt Euch vor, ich wäre die Bundesbank und drucke der Anna 100 € und dem Berthold 100 €. Am Jahresende sage ich beiden ich möchte von jedem 106 € zurück haben!

    Warum geht das nicht? Genau! Weil ich nur 200 € gedruckt habe! Nun muss die Anna mit dem Berthold ein Geschäft machen, ihn über den Tisch ziehen oder umgekehrt. Fakt ist: Einer bleibt auf der Strecke. Das würde auch so sein, wenn von irgendwoher ein Grundgehalt käme, das geliehen werden muss und für das Zinsen gezalt werden!

  12. Michael sagt:

    Denken ist gut und gesund, man soll darüber nachdenken und verbessern in der Umsetzung!
    Doch die Menschen sind noch nicht reif dafür

  13. Hierse sagt:

    Die Idee finde ich gut. Sie sollte ein Grundkonzept sein für Einkommen der
    ersten Stufe sein. Kalkuliert auf der Pfandungstabelle (unpfändbares Einkommen). Dazu ein Betrag zum Ansparen für Sonderausgaben oder Sonstiges.

    Sobald die Person arbeit kommen Spesen Werbekosten dazu. Arbeit nur
    zum Mindestlohn.

    Würde wir ein gut durch dachtes Konzept durchsetzen. würde der Binnen-
    markt innerhalb kurzester Zeit wieder funktionieren.

    Dass deshalb viele nicht mehr Arbeiten gehen (sich gesellschaftliches Engagement) engagieren oder bestimmte Aufgaben nicht mehr gemacht werden glaube ich nicht. Würde aber dass gesellschaftliche Bewußtsein
    stärken, eine Abkehr von der Ellbogengesellschaft bewirken.

    Glaube ich nicht, weil viel

Hinterlasse einen Kommentar

Bitte halte Dich an die Netiquette. Danke!

XHTML: Diese Tags kannst Du verwenden: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

kostenloser Counter