Ist dies eine Klowand?
Blogs sind die Klowände der Nation. So Herr Jean-Remy von Matt. Der Mann hinter der “Du bist Deutschland”-Kampagne. In einer internen Mail an seine Mitarbeiter hat er seinen Frust abgelassen. Darüber, dass seine tolle Motivations-Kampagne nicht angekommen ist. Im Abschnitt über die Blogger ärgert er sich über die Meinungsfreiheit (“Was berechtigt eigentlich jeden Computerbesitzer, ungefragt seine Meinung abzusondern?”) und bezeichnet die Blogs als die Klowände des Internet.
Nun. Man muss den guten Mann verstehen. Er war gefrustet. Und deswegen hat er Dampf abgelassen. Aber! An unzähligen im Netz kursierenden mehr oder meist weniger lustigen PowerPoint-Präsentationen gelangweilter Office-Worker sieht man, was mit Rundmails passiert: sie gelangen nach draussen. Ein Kommunikationsexperte hätte damit rechnen können. Und er hätte auch damit rechnen können, dass die Blogospähere – vulgo Kleinbloggersdorf oder eben “Klowand” – sich nicht gerne anpissen lässt. Und ggf. zurückpisst.
Und dann begeht unser Kommunikationsexperte noch einen kapitalen Fehler. Er begnügt sich nicht damit sinngemäß zu schreiben: “Hey Leute, tut mir leid, sorry. Ich war angepisst und dachte deswegen an Klowände. Natürlich habt Ihr ein Recht auf Meinungsfreiheit und müsst meine ‘Du bist Deutschland’-Kampagne nicht alle toll finden.” Nein. Er fügt ein interessantes “ABER!” hinzu, was die zweite Hälfte seiner Entschuldigung bestimmt und sie damit eigentlich wieder zunichte macht.
Nachzulesen ist diese “Entschuldigung” hier und hier. Näher darauf eingegangen wird dort, dort und dort.
Sorry, Jean-Remy, dass ich es wage ungefragt meine Meinung kund zu tun: unter einer souveränen Reaktion verstehe ich etwas anderes. Ein Kommunikationsexperte mit eigener Agentur sollte das eigentlich besser drauf haben.


24.01.2006 um 20:04
Moin,
wie genau hätte denn eine souveräne Reaktion
ausgesehen? Jean-Remy von Matt übt Kritik daran, dass
irgendeiner seiner Mitarbeiter seine Rundmail veröffentlicht
hat, ist schon verständlich. Natürlich hätte er damit rechnen
können.
Trotzdem finde ich, dass jemand Nachrichten, die vom Absender
nur an eine Person oder eine überschaubare Gruppe adressiert wurden, normalerweise nur dann veröffentlichen sollte, wenn er
das Einverständnis des Autors besitzt.
Natürlich gibt es immer mal Situationen, in denen ein Bruch
dieses Prinzips gerechtfertigt erscheint.
24.01.2006 um 20:31
Betr.: Unser aller Jean-Remy von Matt, oder “Remy-Demy vom Mattsch inne Birne”.
Ich finde dem Mann wird entschieden zu viel der Ehre angetan, wenn man sich mit seinen Ergüssen ernsthaft auseinandersetzt.
Wie kann man jemanden ernst nehmen, der verantwortlich ist für diese neoliberale, menschenverachtende DbD-Kampagne und anschließend dreist und verlogen genug ist zu behaupten er sei noch immer ergriffen wenn er sich diese Spots ansieht?
Die einzige Ebene auf der man sich mit ihm auseinandersetzen könnte ist seine eigene, eben diese:
Jean Remy von Matt (Remy-Demy vom Mattsch inne Birne) Brief an die Mutter
Nachzulesen auf http://Fettisch.de – voll Fettisch!
24.01.2006 um 20:47
Peter: die Weiterleitung einer internen Rundmail an die Öffentlichkeit, ist eine interne Angelegenheit der Agentur. Die ist dann auch genau dort zu klären. Da es nunmal geschehen ist und Herr v. Matt sich genötigt sah, sich für die interne Mail öffentlich zu entschuldigen, hätte er es genau bei dieser Entschuldigung belassen können. Also in etwa bis zur Hälfte des Textes. Bis dahin ist es souverän, ab da wird es unsouverän. Frage beantwortet?
RixR: “Remy-Demy vom Mattsch inne Birne”? Jo. Das ist dann in der Tat ein Klospruch.
24.01.2006 um 21:00
@JC: Eben. Ich denke da ist’s wo der Mann zuhause ist.
24.01.2006 um 21:45
@RixR
neoliberale, menschenverachtende DbD-Kampagne
So ein – sorry, JC – Bullshit. Dass irgendwelche linken Reflexe in allem, was nicht den Untergang des Kapitalismus herbeibeschwört, den ominösen Neoliberalismus wittern, mag ja trotz leicht pathologischer Züge noch angehen. Aber hier die Vokabel “menschenverachtend” zu verwenden, das zeugt dann doch von einer gewaltigen Begriffsverwirrung.
25.01.2006 um 00:58
naja, rayson,
neoliberalismus und menschenverachtend – ist das nicht bei der in (traditions)linken kreisen üblichen verwendung des wortes “neoliberal” – eher doppeltgemoppelt als begriffsverwirrt?
wobei ich schon etwas … überrascht bin … JC hier so vom leder ziehen zu lesen. es hätte ja auch gereicht die kampagne als das, was sie zunächst ist, zu bezeichnen: schlechte werbung, für die sich einige der beteiligten werber vermutlich im stillen kämmerlein ziemlich schämen. ob sie nämlich neoliberal oder gar menschenverachtend ist, daran habe ich so meine zweifel, aber vielleicht belegt uns das ja JC noch.
25.01.2006 um 02:12
Tim:
Öh?
Wo habe ich mich groß über die “Du bist Deutschland”-Kampagne ausgelassen? Sie war es mir bislang nicht wert, sie zu kommentieren. Belege für darin enthaltenen Neoliberalismus und Menschenverachtung musst Du schon von RixR einfordern. Und Deine Brille zurecht rücken ;-))
25.01.2006 um 02:55
@Tim
Du hast dich wohl durch mein “sorry, JC” verwirren lassen. Das hatte aber nur den Sinn, mich beim Gastgeber wegen des plötzlichen Kraftausdrucks zu entschuldigen – in keinster Sekunde wäre mir der Gedanke gekommen, er könnte mit dem RixR übereingestimmt haben.
Was das “doppelt gemoppelt” betrifft, hast du natürlich auch wieder Recht. Dennoch nervt es mich, wenn Ausdrücke, die nun wirklich für ganz andere Sachen reserviert sein sollten, so beliebig in der Gegend herumgeworfen werden.
25.01.2006 um 14:36
ups, JC, da hatte mich rayson wirklich verwirrt… ich war ohnehin etwas verwundert, da man ja von dir derlei verbale kraftmeierei eher nicht gewohnt ist…
25.01.2006 um 17:10
@ RixR: Ich weiß übrigens nicht, ob ich es gut finden soll, wenn Du Deine Parolen per Copy & Paste in allen Blogs verteilst, die sich diesem Thema widmen, nur um damit am Ende nur Werbung für Dein eigenes Vlog zu machen. Gesehen bei Melas Biotop, hier bei JC und bei mir. Wer weiß wo sonst noch…
25.01.2006 um 17:29
@Roger
Richtig beobachtet. Ein Trittbrettfahrer, der in zig Blogs rumspamt.
26.01.2006 um 11:50
Die Reaktion
Jean Remy von Matt hat seine Lektion offenbar gelernt. Und aus der Situation auch die richtigen Schlüsse gezogen. Das zeigt sein offener Brief an T. Knüwer
Und die Reaktionen der Blogger ist nicht ausgeblieben…
…