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Ministerschelte

Claus Christian Malzahn von “Spiegel Online” ärgert sich. Ausführlich. Über die – aus seiner Sicht – Geschmacklosigkeit Trittins, der im Gastbeitrag der “Frankfurter Rundschau” von Gestern ein “Kyoto zwei” fordert.

[…] Jürgen Trittin, Bundesumweltminister, der Mann, der findet, dass wir alle zuviel Auto fahren, der unser Land mit Windmühlen übersät und mit dem Dosenpfand gesegnet hat.

So kündigt Malzahn den Hauptteil seines Kommentars an und eigentlich könnte man hier mit der Lektüre aufhören. Denn was folgen wird, davon gibt Mahlzahn in den einleitenden Absätzen bereits einen Vorgeschmack: wir Deutschen sind ganz arg schlimm böse, weil wir die USA jetzt nicht mit Soforthilfemaßnahmen und Spendengeldern überfallen. Hey! Es geht hier um die U. S. of A. Nicht irgendein Dritteweltstaat, der vom Jahrhunderttsunami überrascht wurde. Eine, wenn nicht die, Industrienation der ersten Welt. Und “Katrina” mag wegen seiner Heftigkeit eine Sonderstellung einnehmen, aber es ist nicht der erste Hurricane, der die USA trifft. Und vor allem: er trifft sie nicht vollkommen unvorbereitet, im Gegenteil! Die USA verfügen über alle Ressourcen, damit umzugehen – wenn sie Hilfe benötigen, werden sie das mitteilen und es wird ihnen geholfen werden.

Aber darum geht es ja nur in zweiter Linie. Der böse Minister findet, dass wir zuviel Auto fahren. So ganz unrecht hat er nicht – und das sage ich als “eingefleischter” Autofahrer. Dosenpfand mag lästig sein, das hat aber zum guten Teil der Handel zu verantworten – ökologischer Nonsense ist es auch nicht. Und wenn wir nicht im Atommüll untergehen wollen, müssen wir wohl sehen, welche anderen Energiegewinnungmaßnahmen sinnvoll sind.
Es mag nicht pietätvoll sein, anlässlich einer Naturkastatrophe darauf hinzuweisen, wie sorglos wir mit unserer Umwelt umgehen… nur: zu einen anderen Zeitpunkt passt es nicht in die Medienagenda. Oder schreibt heute jemand über BSE? Interessiert uns heute ernsthaft, wie es den Überlebenden des Tsunamis geht?

Aber darum geht es bei einer Ministerschelte ja nicht.

In einem Moment, wo im Süden der USA die Leichen noch nicht gezählt sind, fällt dem deutschen Umweltminister nichts anderes ein, als dem amerikanischen Präsidenten in einem von der “Frankfurter Rundschau” veröffentlichten Aufsatz zu bescheinigen, dass die USA letztlich selbst schuld seien an dieser Katastrophe. 3931 Zeichen ist der Text lang, kein Buchstabe des Bedauerns ist darin zu finden. Mit dieser kühlen, hämischen Grundhaltung steht Trittin nicht alleine da.

Voller Mitgefühl für die Opfer des Hurricanes zählt der Autor des Spiegel-Kommentars also die Zeichen, die der Text des bösen Ministers lang ist. Vielleicht hätte er die Zeichen nicht nur zählen, sondern auch lesen sollen? Malzahn hat zwar recht, dass Trittin kein Bedauern zum Ausdruck bringt – aber eine hämische Grundhaltung? Sorry, die erkenne ich nicht. Und ich zähle mich sicherlich nicht zum Fan-Club des Ministers. Ein “selbst schuld” ist ebenfalls nicht zu lesen, auch erkenne ich im inkriminierten Text keinen Antiamerikanismus. Trittin kritisiert Bush und zeigt, dass es zu dessen umweltpolitischer Linie auch im eigenen Land, sogar in der eigenen Partei, Widerstand gibt. Bush-Kritik mit Antiamerikanismus gleichzusetzen ist, um Malzahn selbst zu zitieren: “Bullshit”. Ebenso wie die Gleichsetzung eines Sturms mit einem Weltkrieg. Auch wenn das nur ein verzweifelter Versuch ist, den Kommentar mit der Erinnerung an die Care-Pakete zu schließen.

31 Kommentare zu “Ministerschelte”

  1. Rayson sagt:

    Die “hämische Grundhaltung” verschließt sich dir? Halte ich für eine besondere Leistung.

    Ehrlich, wem angesichts der Katastrophe dort zunächst nur einfällt, seine politischen Differenzen ins Spiel zu bringen, der hat irgendwas nicht begriffen oder spielt ein ganz übles Spiel.

    Es fällt mir sehr schwer, Trittins Text anders zu verstehen als “selbst schuld!”. Und da Trittin ein kluger Kopf ist, wird er diese Wirkung nicht unbedingt vermieden haben.

  2. Roland sagt:

    “zu einen anderen Zeitpunkt passt es nicht in die Medienagenda”
    Bitte? Das ist Opportunismus. Vergiss nicht, auch Jürgen befindet sich im Wahlkampf. Eine Katastrophe opportunistisch für den Wahlkampf auszuschlachten – weil, die Medien hören ja gerade zu – finde ich absolut geschmacklos. (Aber das hat Schröder ja auch schon gemacht. Und Stoiber auch. Finde ich alles nicht gut.)
    Ein Tritt ins Fettnäpfchen und aussenpolitisch nicht sehr geschickt. Auf Spiegel gab es Kommentare von Amis, die sich heftigt über den Gastkommentar von Trittin beschweren. Lies die mal!

  3. nite owl sagt:

    Immerhin sieht es derzeit sehr, sehr übel aus – auch wenn Opferzahen noch lange nicht abschätzbar sind. Konkrete Hilfsangebote + etwas Zurückhaltung wäre nun sicher nicht schlecht. Klimasünden wirken lang- und nicht kurzfristig…

  4. JC sagt:

    Rayson:

    Wenn man zwischen den Zeilen liesst, vielleicht. Das hängt aber natürlich immer davon ab, mit welcher Haltung man an einen Artikel herangeht. Wie gesagt: ich bin kein Trittin-Fan und habe mich schon öfter über ihn geärgert, aber in diesem Beitrag habe ich keine Häme wahrgenommen, nein. Streckenweise eher Selbstbeweihräucherung: so sind kalifornische Umweltgesetze traditionell sehr streng und sicher nicht von den deutschen Grünen beeinflusst, wie der Minister zu suggerieren scheint.

    Roland:

    Die Medienagenda ist schlichtweg Realität, ein Thema ist immer nur eine gewisse Zeit lang interessant und verschwindet sehr schnell wieder in der Versenkung. Ob uns das nun gefällt oder nicht… es ist so. Ob Trittin den Beitrag zu Wahlkampfzwecken oder aus tiefer Besorgnis über Umweltschutz geschrieben hat: in wenigen Tagen hätte das niemand mehr abgedruckt, weil dann etwas anderes die Schlagzeilen dominieren wird.

    Fettnäpfchen? Ansichtssache. Außenpolitisch ungeschickt? Das ist Kritik immer. Berechtigte, wie unberechtigte. Aufgebrachte Leserkommentare aus den USA? Wundert mich kein bißchen. Allerdings wird der gemeine Amerikaner auch nicht zufällig über Spiegel Online stolpern, entsprechend vorsichtig ist sowas immer zu bewerten.

    nite owl:

    Trittin schreibt selbst:

    Kein einzelner Sturm kann unzweideutig auf den Klimawandel zurückgeführt werden.

    Ich nehme doch stark an, dass auch Trittin bewusst ist, dass die vom Menschen verursachten Klimaveränderungen auf einer größeren Zeitachse verlaufen. Was Hilfsangebote und -anfragen betrifft: die werden dann wohl eher zwischen den Regierungen direkt besprochen – und das dürfte kaum in sein Ressort fallen, vermute ich zumindest.

  5. Rayson sagt:

    @JC

    So sehr “zwischen den Zeilen” ist da gar nicht erforderlich. Einfach nur überlegen, was der Anlass und was die Aussage des Beitrags ist.

  6. JC sagt:

    Rayson:

    Na, offenbar sieht Trittin da eine Möglichkeit aus gegebenem Anlass darauf hinzuweisen, welche Erfolge sein Ministerium vorzuweisen hat. Eigenwerbung. Sicherlich auch durch den Wahlkampf motiviert. Deswegen ist es noch aber noch keine böse Häme, wenn er bei der Gelegenheit Bushs Politik kritisiert (und darauf hinweist, dass die USA in dieser Frage nicht wie ein Mann hinter ihm stehen – wenn ich es richtig weiss, hat Kalifornien dieses Jahr das Kyoto-Protokoll für sich ratifiziert).

  7. Zucker sagt:

    Das beruhigt mich, das nicht nur wir böse sind.
    Schöner Kommentar, spricht mir aus der Seele, und soviel diplomatischer als ich es je könnte:)

  8. nite owl sagt:

    Diese Katastrophe hätte kein Kyoto-Protokoll der Welt verhindert, auch nicht intensiver “Klimaschutz” seit Ende 70er, und vorher war das auch noch kein Thema für deutsche Oberlehrer-Gutmenschen.

    “Das beruhigt mich, das nicht nur wir böse sind.”

    Ja, es gibt noch mehr Idioten auf der Welt.

  9. JC sagt:

    nite owl:

    Wir sind hier nicht bei dol, bitte also auch keine Angriffe. Danke.

    Dass das Kyoto-Protokoll diese Katastrophe verhindert hätte, behauptet kein Mensch. Es geht beim Klimaschutz auch nicht um einen einzigen Sturm, sondern vielmehr um die Frage, welche unserer diversen Umweltsünden welche Auswirkungen haben und was man dagegen tun kann. Leider ist das ein sehr komplexes Gebiet, die Beantwortung der relevanten Fragen nicht leicht und dann kommen unterschiedliche Forscher zu unterschiedlichen Thesen.

    Unbestritten bleibt, dass Umweltbelastungen Auswirkungen auf das Ökosystem haben – auch wenn wir nicht immer genau wissen welche. Während wir aber etwa einen katastrophalen Vulkanausbruch nicht eindämmen oder verhindern können, liegt es sehr wohl in unserer Hand, durch den Menschen verursachte Belastungen nach Stand der Technik zu minimieren.

  10. Rayson sagt:

    @JC

    offenbar sieht Trittin da eine Möglichkeit aus gegebenem Anlass darauf hinzuweisen, welche Erfolge sein Ministerium vorzuweisen hat.

    In den Worten “aus gegebenem Anlass” kommt ziemlich klar heraus, warum ich das für hämisch halte.

  11. Sven sagt:

    Um etwas einzuwerfen, das auch bei der Diskussion hier im Eifer des Gefechts anscheinend unter den Tisch fällt, wenn es um die Empörung der Amerikaner unterlassene Hilfeleistungen sowie hämische Schuldzuweisungen und “Geschichtsvergessenheit” geht: ein paar Punkte, die die vielen erhitzten Gemüter vielleicht etwas abkühlen.

  12. JC sagt:

    Auch nicht ganz uninteressant: von wann ist Trittins Beitrag?

    Copyright © Frankfurter Rundschau online 2005
    Dokument erstellt am 29.08.2005 um 17:20:11 Uhr
    Erscheinungsdatum 30.08.2005

    Da noch nichtmal heute, am 1. September, klar abzusehen ist, wieviele Opfer zu betrauern und welche Schäden entstanden sind, dürfte dem Minister das Ausmaß des Sturmes beim Verfassen seines Aufsatzes auch nicht deutlich gewesen sein. Erinnern wir uns: am Wochenende wurden Bilder der weiträumigen Evakuationsmaßnahmen gezeigt, ganz New Orleans werde geräumt.
    Das signalisierte: “Da kommt ein richtig fetter Sturm und es wird hohe Sachschäden geben – aber die Menschen werden in Sicherheit sein”

    Ich bin nicht Trittins Anwalt und ich kann seine Gedanken nicht lesen. Wer aber einen Blick in einschlägige Blogs in Übersee wirft, ist kaum überrascht. Viele schreiben bei einigen Lautsprechern ab, besonders gerne offenbar bei jenen, die nichts lieber tun, als ein Bild der ach so antiamerikanischen Europäer zu zeichnen und für die schon die leiseste Kritik an der vermeintlichen amerikanischen Unfehlbarkeit willkommener Anlass zu künstlich aufgeregten und aufgebauschten Hasstiraden ist.

    Vorhersehbar auch, wie von einem entsprechend eingestellten Publikum Malzahns Hinweis auf die Care-Pakete aufgegriffen wird (und dass frühere Hilfsleistungen – wie etwa nach den Terrorangriffen vom 11. September – dabei natürlich schnell vergessen sind).
    Malzahn hat mit seinem Kommentar im Stil der “Bild”-Kampagnen jenen dankbares Futter geliefert, die immer gern auf die bösen Europäer schimpfen, für die Deutschland immer Nazideutschland sein wird. Die Reaktionen dürften ihn nicht überraschen – schließlich ist er Profi.

  13. Coram Publico » Blog Archive » The Show must go on! sagt:

    […] Im Zuge meiner Blog-Rundreise zum Trittin-Artikel bin ich sehr schnell – mal wieder – bei “Davids Medienkritik” gelandet. Einem, nach eigener Darstellung, politisch inkorrektem Blog über die ach so antiamerikanische Presse in Deutschland. […]

  14. goodcom badcom sagt:

    Wahlkampf, Sommerloch, künstliche Empörung und die Versuche, dem politischen Gegner eins auszuwischen. Gekoppelt mit einer Katastrophe, die vielen Menschen das Leben kostete u.v.m..

    Keine gute Mischung, das.

    Wem aufgefallen ist, dass Trittins Kommentar KEIN Eintrag in einem Kondolenzbuch war, sondern eine umweltpolitische Aussage eines Umweltministers, darf sich für die künstlichen Echauffierer zurecht, wie JC und Zucker, bös nennen. Ich setz mich dazu, wenn ihr gestattet.

  15. Rayson sagt:

    Interessante rhetorische Volten, JC.

    Der Kommentar von Trittin wird nicht dadurch weniger hämisch und (für mich) angesichts der Lage unerträglich hochnäsig-arrogant, dass sich das kleine Häuflein verschworener Bushfans daran hochzieht.

    Und wie du auf Malzahn einprügelst, erinnert doch sehr an antike Könige, die den Boten der schlechten Nachricht köpfen ließen. Den amerikanischen Sturm der Entrüstung (der, nebenbei gesagt, auch so viel Ignoranz und Vorurteile offenbart, dass mit dem deutsch-amerikanischen Verhältnis wohl wirklich etwas nicht mehr stimmt) hatte schon ganz allein Trittins Kommentar selbst losgetreten. Malzahn konnte nicht mehr als einen Kontrapunkt zu setzen, und das fand ich in diesem Fall gut.

  16. nite owl sagt:

    @JC: Deine Argumentation bezüglich Trittin greift nicht wenn man sich die homepage der Bundesregierung anschaut:

    http://www.bundesregierung.de/

    2 von 4 Links zu Hurrikan Katrina haben mit mit der aktuellen Katastrophe nichts zu tun, außer man meint in dieser Situation nichts besseres zu tun zu haben als zu belehren (was inhaltlich so zweifelsfrei nichtmal ist).

    Nein, das ist kein Versehen, keine zeitliche Überschneidung von Trittins Beitrag und den Katastrophenmeldungen, sondern Regierungspolitik – und die kann (und muß) kritisiert werden. Denn diese Regierungspolitik ist alleine um Showeffekte für den Wahlkampf ausgerichtet, und dies fast durchgängig über die 7 Jahre.

  17. JC sagt:

    Rayson:

    Wir werden wohl nicht zu einem Konsens kommen. Du findest Trittins Aufsatz hämisch, ich nicht. Auch nicht unerträglich hochnäsig-arrogant, aber immerhin finde ich die Selbstbeweihräucherung übertrieben – vielleicht nähern wir uns ja wenigstens auf diesem Nebenschauplatz.

    Wenn ich jedoch auf etwas einprügele, Rayson, dann vielleicht auf o. g. SPON-Beitrag von Malzahn. Nichts liegt mit ferner, als ihn köpfen zu wollen – weder bin ich ein antiker König, noch ein wütender Mob. Ich bin nichts als ein SPON-Leser, der in seinem eigenen Blog seine abweichende Meinung zu einem SPON-Text kund tut. Und Malzahn ist in diesem Fall kein Bote, kein Überbringer einer schlechten Nachricht: Sein Artikel ist deutlich als Kommentar gekennzeichnet, was ihn von einer Nachricht deutlich unterscheidet. In einem Kommentar bringt ein Autor seine persönliche Meinung zum Ausdruck. Die kann man teilen, oder eben auch nicht.

    Und der “amerikanische Sturm der Entrüstung”… nunja… den muss man schon einzuordnen wissen. Ich käme jedenfalls nicht auf die Idee, das Verhältnis zwischen zwei Staaten an Leserbriefen oder Blog-Kommentaren zu messen. Auch nicht an der Umbenennung von “French fries” in “Freedom fries”, damals, 2001. Menschen, die denken so etwas nötig zu haben, gibt es überall auf der Welt. Zum Glück aber auch jene, die sich nicht durch die primitivsten Emotionen leiten lassen, sondern auch in schwierigen Situationen auf einer sachlichen Ebene bleiben.

  18. JC sagt:

    nite owl:

    Nun, wenn die Politik der Bundesregierung Deiner Meinung nach seit sieben Jahren “fast durchgängig” aus Wahlkampf-Show besteht… hat sie dann in Deinen Augen auch nur den Hauch einer Chance vielleicht auch nur das kleinste Fitzelchen richtig zu machen?

    Was soll der Link zur Regierungs-Homepage belegen? Die angebotene Hilfe an die Adresse der USA ist ja dann wahrscheinlich ohnehin auch nur ein Showeffekt. Dann brauchen wir uns über die anderen Showeffekte ja nicht weiter aufzuregen, sondern können gelassen auf die Bundestagswahl warten.

    Ich tue mich da schwerer in Gut und Böse zu unterteilen. Weil ich eine Bundesregierung – egal ob ich sie gewählt habe oder nicht, egal ob ich sie unterstütze oder nicht – nicht komplett für politische Fehlbesetzungen oder Genies halte. Es ist ein Fehler, den Gegner zu unter- und den Freund zu überschätzen.

  19. nite owl sagt:

    Ja, denn ich hatte sie 1998 gewählt.

  20. Rayson sagt:

    @JC

    Nein, zu einem Konsens kommen wir hier nicht, dazu sind wohl unsere Hintergründe zu unterschiedlich.

    Mit dem mich an das Köpfen des Boten erinnernde “Einprügeln auf Malzahn” ist aus meiner Sicht weniger der Text des Blogeintrags gemeint, der ja in der Tat eher eine inhaltliche Kritik ist, als dieser Teil eines späteren Kommentars:

    Malzahn hat mit seinem Kommentar im Stil der “Bild”-Kampagnen jenen dankbares Futter geliefert, die immer gern auf die bösen Europäer schimpfen, für die Deutschland immer Nazideutschland sein wird. Die Reaktionen dürften ihn nicht überraschen – schließlich ist er Profi.

    Nein, man musste nicht Malzahn lesen, damit diese Reaktionen ausgelöst wurden. Er hat nichts weiter gemacht, als bestehender Empörung eine Stimme zu geben und insofern ein “Bote” zu sein.

    Natürlich kann man das Verhältnis zweier Staaten nicht an Leserbriefen ermessen (an Blogeinträgen schon gar nicht). Aber die von SPON veröffentlichten Beiträge geben Anlass zum Nachdenken. Offensichtlich gibt es zwischen den USA und Deutschland ein enormes Kommunikationsproblem, und das macht mir Sorgen.

  21. JC sagt:

    Rayson:

    Wenn Malzahns Interpretation von von Trittins Text durch ein relativ prominenten Blog ungeprüft übernommen und von diesem wiederum abgeschrieben wird (und in dieser Kette aus einer grünen Maus ein feuerspeiender Drache wird), hat das durchaus eine Wirkung. Sowas verbreitet sich wie ein Lauffeuer durch die Blogsphäre – in diesem Fall durch die der Neocons. Mag ja sein, dass ich an den falschen Ecken gesucht habe, aber dort wo ich war, habe ich festgestellt, dass überwiegend von einem bestimmten “Hauptblog” wenn man so will “herunter dekliniert” wurde.

    Womit Du recht hast: es ist nicht nett, ihm “Bild”-Kampagnenstil vorzuwerfen.

  22. Rayson sagt:

    Ich vermute, du unterliegst hinsichtlich der Einschätzung der Wirkung von Malzahns Beitrag auf die “Neocon”-Szene (über den Unsinn dieses Begriffs für die meisten dieser Blogs zu diskutieren, wäre ein anderes Thema) einem Irrtum. In dem sicher auch in dieser Szene oft gelesenen Blog der “Achse des Guten” hat Dirk Maxeiner schon am Nachmittag des 30.08. in der Weise gegen den Trittin-Artikel Stellung bezogen, die dann später von anderen entweder geteilt oder übernommen wurde (ich nehme für mich ersteres in Anspruch…). Nach diesem Eintrag verfolgte und kommentierte er die entsprechende Diskussion weiter. Wenn du also den entsprechenden Blogbetreibern keine eigene Einschätzung zutraust und nach einem Stichwortgeber fahndest, dann müsstest du eher hier fündig werden.

  23. JC sagt:

    Rayson:

    Nö, so brennend dass ich nach Ideengebern fahnden würde, hat mich das auch wieder nicht interessiert.

    Mir ist bei meiner Suche das aufgefallen, was ich da oben beschrieben habe – allerdings erhebe ich nicht den Anspruch, alle Blogs zum Thema gesehen zu haben. Und ja: von denen, die ich gesehen habe, zeigten erstaunlich wenige eine eigene Einschätzung des jeweiligen Autors – was aber keinesfalls bedeutet, dass ich ganz allgemein Blogbetreibern aus der einen oder anderen Ecke abspräche, sich eine eigene Meinung zu bilden. Da Du meinen Disclaimer offenbar überlesen hast, hier nochmal: “Mag ja sein, dass ich an den falschen Ecken gesucht habe, aber dort wo ich war […]”.

  24. goodcom badcom sagt:

    btw:

    hier einige links zu amerikanischen blogs und medien, die es in sich haben:

    Artikel in WorldNetDaily
    The Irish Trojan’s Blog
    daily FISK
    The Soapbox
    metroblog New Orleans
    The Interdictor

    Fassungslosigkeit und Entsetzen sind gleich groß.

  25. JC sagt:

    Weia…

  26. JC sagt:

    nite owl hat mir gerade im Chat folgenden Link gegeben: http://www.fr-aktuell.de/fr_home/startseite/?sid=db9474172e2805abe4bc0671101731f8&cnt=720781. Darin wird Trittin zu seinem Artikel und den Reaktionen darauf interviewt. Freilich wird das jene nicht interessieren, die ihn falsch verstehen wollen.

  27. Rayson sagt:

    Vielleicht gehöre ich ja dazu. Er nimmt jetzt genau die Verteidigungsposition ein, die ihm andere schon aufgebaut haben. Dadurch entgeht er dem Vorwurf der Menschenverachtung und Gefühllosigkeit, aber nicht dem der Häme oder ein Unglück zu instrumentalisieren (immer IMHO).

    Bei Lambsdorff (so unsinnig die Rücktrittsforderung auch war, wozu gibt es denn Wahlen…) auf das Parteispendenurteil zu verweisen ist übrigens “Mein Parteibuch”-Stil, aber dass mich sowas nervt, liegt wohl nur daran, dass ich mit Wahlkämpfen immer weniger anfangen kann…

  28. Unfrisiertes :: Katrina :: September :: 2005 sagt:

    […] Es ist eine schlimme Katastrophe. Ich habe großes Mitleid mit den betroffenen Menschen, ich begrüße alle Aufrufe zum Spenden, und, nur weil ich es schon an anderer Stelle in Kommentaren geschrieben habe, ich halte Trittins Artikel in der FR ebenso für völlig daneben wie alle Versuche, mit den Leichentüchern der Toten für die eigene Sache oder gegen den “Feind” zu wedeln. Die unmittelbare und die langfristige Hilfe zu bewerkstelligen, wird für die USA eine große Herausforderung darstellen, so wie es für jedes andere Land der Welt gelten würde, wenn ein so großes Gebiet von einem so verheerenden Unglück getroffen wird. Die Suche nach Schuldigen mag jetzt ein menschlicher Reflex sein, wichtiger ist aber, aus dem Geschehenen für die Zukunft zu lernen. […]

  29. JC sagt:

    Rayson:

    Inzwischen ist es doch so: Wenn ein Minister falsch hustet, kommt die jeweilige Opposition daher und schreit medienwirksam “Rücktritt!”. Wenn dann *gerade* Lambsdorff daher kommt, und dies – wie sinnig! – 16 Tage vor der Bundestagswahl tut, dann braucht er sich nun wirklich nicht darüber wundern, dass mit dem Finger auf die Flecken zeigt, die seine Weste zieren. Das ist ganz banales Medientennis – das mag man bedauern, aber ich fürchte, daran werden wir uns gewöhnen müssen. Es machen ja alle mit. Journalisten, die sich als vierte Macht im Staate wähnen. Politiker, die auf Aufmerksamkeit hoffen. Stammtischstrategen, die neues Futter brauchen. Leser und TV-Zuschauer, die genau das lesen und sehen wollen.

    Über Trittin werden wir beide uns in diesem konkreten Fall nicht mehr einig, also lassen wir es einfach ;)

  30. Jens sagt:

    Kennst Du schon den Link hier?

    http://www.lautgeben.de/2005/09/01/who-cares-about-the-flut-opfers/

  31. JC sagt:

    Nein, den kannte ich nicht… auch eine interessante Sichtweise. Und sollte die Vermutung zutreffen, wäre es ziemlich armselig von SPON.

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