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Das selektive Erinnerungsvermögen von Politikern

Der Pottblogger ist über einen Satz von Westerwelle (FDP) gestolpert, der herrlich illustriert, was für einen Dummsinn Politiker – besonders, aber nicht nur, zu Wahlkampfzeiten – gerne mal absondern. Im konkreten Fall geht es darum, dass der Kopf der liberalen Spaßfraktion (wir erinnern uns an das Guidomobil) eine Koalition mit der “Dosenpfandpartei” (gemeint ist natürlich die SPD) ablehnt – und dabei ausblendet, dass die Grundlage mit der Verpackungsverordnung von Töpfer (1991) und Merkel (1998) durch die schwarz-gelbe Kohl-Regierung gelegt wurde.

Die ganze Geschichte ist hier nachzulesen.

7 Kommentare zu “Das selektive Erinnerungsvermögen von Politikern”

  1. Jens sagt:

    Streiche SPD, Setze Grüne… so meinte es Westerwelle wohl. ;)

  2. JC sagt:

    Was letztlich ja keinen entscheidenden Unterschied macht. Mit “Dosenpfandpartei” will er eine Regierungspartei auf eine politische Entscheidung reduzieren, von der er hofft, dass sie unpopulär genug ist. Das ist symptomatisch. Und hätte man ihn darauf angesprochen, dass die Verpackungsverordnung aus der Kohl-Regierung kommt, so hätte er erwidert, dass Rot-Grün eine gute Idee mit handwerklichen Fehlern zerstört hätte – oder so ähnlich.

    Weil merke: Als Politiker lernt man, den Gegner immer schlecht zu machen und sich selbst über den Klee zu loben. Wichtig erscheint der Kaste dabei, mediengerechte, kurze und prägnante Schlagworte – am besten mit Symbolcharakter – zu verwenden. Hat eigentlich mal jemand gezählt, wie oft Merkel der Regierung “inkompetenz” vorgeworfen hat? Und das bei Entscheidungen, die die Union durchaus mitgetragen hat (wie etwa Harz IV)?

  3. Rayson sagt:

    Wie schon richtig bemerkt – so ist Politik, und so haben wir sie offensichtlich gewollt. Komplexe Themen müssen in ein paar Sekunden abgehakt werden, und zwar so, dass die eigene Partei als Problemlöser und die andere als Problemerzeuger hängen bleibt.

    Wer zu längeren Erläuterungen ansetzt, wird weggezappt – aber eher schon überhaupt nicht gesendet. “Die Rentä ist sischä” war erfolgreicher als die langatmigen Ausführungen eines Biedenkopf, und für alle Probleme muss es einen “Feind” geben, der daran schuld ist. Was anderes überfordert uns wohl.

  4. Rayson sagt:

    Ist der Ausdruck “Spaßfraktion” eigentlich eine Retourkutsche oder der Beweis, dass die Kritiker der Elche nicht nur früher, sondern auch heute selber welche sind? ;-)

  5. JC sagt:

    Rayson: Haben wirklich “wir” das gewollt? Oder ist das nur eine schleichende Entwicklung, Nebenwirkung der kommerzialisierung des Fernsehens? Wer eine Tagesschau von heute mit der von vor 30 Jahren vergleicht, dem wird auffallen, dass sich schon da viel verändert hat – insbesondere, was die Dauer einzelner Beiträge betrifft. Das ist keine aktiv gewollte Entwicklung.

    Was die “Spaßfraktion” betrifft. Nein, das ist keine Retourkutsche. Das ist nur die angemessene Bewertung von “Projekt 18”, “Guidomobil” und “Big Brother”-Auftritten (und ja, Kanzler-Shootings im Brioni-Anzug und mit Zigarre fand ich auch nicht sonderlich angemessen – nur falls Du meinst, ich würde sowas nur bei der FDP kritisieren).

  6. Rayson sagt:

    Ganz generell passiert nichts, ohne dass wir es wollen. “Kommerzialisierung”, wenn es denn tatsächlich darum geht (die Tagesschauzeit ist in der ARD sowieso werbefrei), heißt letztlich nichts anderes als “Ausrichtung an Verbraucherwünschen”. Dass Politikbeiträge kürzer werden, dürfte seinen Grund im Zuschauerverhalten haben. Also bei uns.

    Thema “Spaßfraktion”: Damit machst du genau das, was du bei Westerwelle kritisierst. Du reduzierst die FDP auf den Wahlkampf von vor drei Jahren.

  7. JC sagt:

    Natürlich ist die Tagesschau werbefrei. Aber es ist eine – bei den Nachrichten zum Glück nur geringe – Annäherung der öffentlich-rechtlichen Sender an die privaten zu bemerken. Nur mache nicht den Fehler, die Schlussfolgerungen von Meinungsforschern und Programmdirektoren mit dem absoluten Willen des Zusehers gleichzusetzen.

    Was die Spaßfraktion betrifft: nein, ich reduziere nicht die FDP auf den Wahlkampf vor drei Jahren, ich halte Westerwelle damit nur vor die Nase, welches Image er sich aufgebaut hat. Das ist schon ein gewisser Unterschied, den Du eigentlich schon am Wortteil “Fraktion” sehen solltest. Hätte ich die FDP als ganzes gemeint, hätte ich von “Spaßpartei” gesprochen.

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