Mit der WebCam ins Netz
Wer der Meinung ist, dass die ganze Welt ihm beim Kaffee-Trinken am Rechner zuschauen sollte, kauft sich eine WebCam und schiebt ihre Bilder ins Netz. Das ist in der Regel ziemlich banal und der exibitionistisch veranlagte Nutzer braucht neben der Hard- und Software nur noch Webspace mit FTP-Zugang.
Das Problem, dass es für meine “Logitec QuickCam Web” keinen originären Mac-Treiber gibt, umschiffte ich mit einem OpenSource-Treiber: Macam. Dieser wird offenbar leider nicht mehr weiterentwickelt und funktioniert nur bis Mac OS X 10.2.8 – allerdings gibt es zum Glück eine gefixte Variante die auch mit aktuelleren Versionen von Mac OS X ihren Dienst tut. Beide sind – neben anderen – bei multi-cam.net zu finden. Update (2.09.05): Das Macam-Projekt ruhte zwar fast zwei Jahre, wurde aber – von mir leider erst jetzt bemerkt – im März wieder aufgegriffen. Unter http://webcam-osx.sourceforge.net/ sind die neuesten, erweiterten Versionen zu finden.
Zudem wird natürlich auch eine Software benötigt, die die Bilder der WebCam auch irgendwo hinschicken kann – schließlich soll ja die ganze Welt aus Deinem Fenster blicken können. Hier entschied ich mich für Evocam. Die Liste der Features ist beeindruckend und der Preis vollkommen gerechtfertigt. Um nur die wichtigsten zu nennen: Evocam kann die Bilder der WebCam per FTP auf einem Server ablegen, sie per Mail verschicken oder über einen eingebauten Webserver als Stream anbieten. Außerdem kann die Software die Bilder auf der Platte archivieren, sie lokal (das wird später wichtig) in einem weiteren Verzeichnis ablegen und dort dafür sorgen, dass nur eine vordefinierte Anzahl von Bildern bleibt.
Hat man nun den erwähnten WebSpace mit FTP-Zugang, ist das Weitere kein Problem. Software konfigurieren, Web-Adresse im Bekanntenkreis verteilen und sich einbilden, dass alle ganz scharf darauf sind, diese Adresse auch anzusteuern und das Gesicht eines Menschen vor seinem Rechner zu betrachten – oder aus dessen Fenster herauszugucken. Stundenlang.
Aber warum einfach, wenn es auch komplizierter geht?
Das geneigte Publikum, so beschloss ich, soll mich nicht auf irgendeinem Server angucken. Nein! Sie sollen sich die Bilder direkt von meinem Rechner abholen. Wozu hat man schließlich eine Flatrate?
Hierzu muss die Firewall auf dem Rechner angepasst werden, damit sie Zugriffe von Aussen auf Port 80 zuläßt. Wer hinter einem Hardware-Router steckt, muss dem zudem beibringen, auf welchen Rechner im LAN Anfragen an Port 80 weitergeleitet werden (siehe die “Network Address Translation” bzw. NAT-Tabelle Deines Routers). Auf dem Mac ist bereits ein Webserver installiert, man muss ihn nur ggf. aktivieren. Es reicht dann, die Software die Bilder in ein Webverzeichnis speichern zu lassen (typischerweise ~/UserName/Sites/webcam oder /Library/WebServer/Documents/webcam). Wer Deine IP kennt, kann nun darauf zugreifen.
Im Regelfall hat man aber mit einer Flatrate keine statische, sondern eine dynamische IP: bei jedem Login bekommt man eine neue IP zugeteilt – und die will man den Zuschauern ja nicht jedes Mal neu angeben müssen. Um dies zu beheben, kann z. B. bei DynDNS ein Account eingerichtet werden, über das man eine feste Adresse des Typs http://meinibookisttoll.dyndns.org/ bekommt. Dieser Adresse muss nur noch die jeweils gültige IP angegeben werden. Das geschieht entweder von Hand über das Webinterface oder automatisiert mit einem Tool wie DNSUpdate. Deine WebCam wäre nun also unter http://meinibookisttool.dyndns.org/~UserName/webcam/webcam.html ständig erreichbar. Aber halt nur mit statischen Bildchen, die regelmäßig erneuert werden.
Wie weiter vorne erwähnt, ist bei Evocam ein eigener Webserver integriert (der Standardmäßig über Port 8080 erreicht wird). Damit kann ein sogenannter Stream verschickt werden, der Betrachter sieht also nicht einzelne Bilder, sondern eine Übertragung – die wegen mangelnder Kompression und damit Bandbreite aber nicht so flüssig wie ein echtes Video erscheint. Für den Hausgebrauch reicht es aber =) ToDo: Port 8080 in der Firewall freischalten und ggf. im Router weiterleiten; bei Evocam den integrierten Webserver aktivieren und die Fans auf die richtige Adresse verweisen – dem Beispiel folgend also sowas wie: http://meinibookisttoll.dyndns.org:8080/webcam.html.
CAVE: Ein Stream erzeugt sehr große Datenmengen! Innerhab einer Stunde können – schon bei nur einem Zuschauer – 100 Megabyte übertragen werden. Wer eine volumenabhängige Flatrate hat, könnte also am Ende des Monats eine böse Überraschung erleben.
7.06.2005



