“Always on”
“Always online”, surfen soviel das Herz begehrt und ohne Angst vor der nächsten Rechnung – das geht in Deutschland seit ca. 1999, als auch bei uns erste Flatrates (Pauschaltarife) eingeführt wurden.
Aber Flatrate ist nicht gleich Flatrate. So ungefähr, wie beim “All inclusive”-Reiseangebot: in einem Hotel umfasst das “All” wirklich alles, in einem anderen alles mit Einschränkungen. So ist der “All inclusive”-Internet-Zugang die wirkliche, echte Flatrate. Also 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr ohne Beschränkungen zum monatlichen Pauschaltarif das Internet benutzen. Interessant ist dann das Kleingedruckte – hier die häufigsten Einschränkungen:
- Wird die Verbindung alle 24 Stunden (oder sogar öfter?) kurz unterbrochen? Hiermit soll verhindert werden, dass die Flatrate als billige Standleitung “mißbraucht” wird.
- Ist es verboten, mit mehr als einem Rechner gleichzeitig online zu gehen? Oder sogar ein privates LAN anzuschließen? Hier steht das berechtigte Interesse des Providers, dass sich nicht ein Mehrfamilienhaus eine Flatrate teilt, gegen das berechtigte Interesse des Kunden, dass alle Mitglieder seines Haushaltes (ob nun Familie oder WG) zu jedem Zeitpunkt das Internet nutzen können.
- Werden bestimmte Dienste gesperrt oder künstlich gedrosselt? So versuchen verschiedene Provider etwa Filesharing zu behindern. Weniger, weil sie so besorgt um mögliche Rechteverletzungen gegenüber der Musik- oder Filmbranche wären, sondern weil dadurch hoher Datenverkehr entsteht, den sie vermeiden wollen.
Im Gegensatz zur echten, auch gerne mit dem Superlativ “Full Flatrate” bezeichneten, Pauschale gibt es oft auch Volumen- oder Zeitabhängige Flatrates:
Zeitabhängige Flatrate
Wer gerne mit der Stoppuhr in der Hand ins Internet geht, sollte sich für so einen Tarif entscheiden. Er bezahlt für in der Regel 30 oder 60 Stunden Internet-Benutzung pro Monat. Jede weitere Minute kostet extra. Nun mögen einem 30 Stunden lang erscheinen, wer aber öfter kleine Recherchen macht, sich mit Internet-Communities anfreundet oder gar das Chatten für sich entdeckt, der wird merken, dass die Zeit wie im Fluge vergeht.
Volumen-Flatrate
Hier wird nach realem Datenverkehr bezahlt. Der Anwender kann seine Stoppuhr weglegen, sollte aber ein Tool installieren, das den Datenverkehr misst oder seinen Verbrauch regelmäßig beim Provider überprüfen. In der Regel fangen die Tarife bei 1 Gigabyte (also 1000 Megabyte) pro Monat an. Für Gelegenheitssurfer mag das reichen, aber erst ab 5 Gigabyte ist ein einzelner Surfer mit einem komfortablen Polster ausgestattet (auch hier gilt: bei Überschreitung kostet der Zusatzverbrauch extra – auf’s Kleingedruckte achten!).
Die Qual der Wahl
Das persönliche Nutzerverhalten ist entscheidend. Wenn der Vertrag einen kostenlosen Umstieg auf die nächsthöhere Tarifvariante ermöglicht, könnte der Kunde in den ersten paar Monaten seine eigenen Internet-Gewohnheiten beobachten und evtl. den Tarif entsprechend anpassen.
Gegen die zeitabhängige Flatrate spricht, dass Surfen “gegen die Uhr” ein ungutes Gefühl verursacht. Ist es aber besser, das noch schwerer messbare Volumen zu protokollieren? Es macht keinen Unterschied, ob man auf einen Download verzichtet, weil das monatliche Zeit- oder eben Volumen-Konto dadurch überschritten würde.
Wer hauptsächlich kurze aber Datenintensive Netzbesuche (also etwa viel downloaded) macht, für den ist die Zeitvariante möglicherweise interessant. Wer hingegen gerne ausgedehnte aber weniger Datenintensive Internet-Sessions betreibt (weil er z. B. hauptsächlich chattet), ist wahrscheinlich mit einer Volumen-Variante besser bedient.
Die echte Flatrate hat den Vorteil, dass der Kunde nicht ständig überlegen muss, ob er noch online gehen kann ohne seine Limits zu überschreiten – und wenn man sich erstmal daran gewöhnt hat, “always on” sein zu können, will man das kaum noch missen. Und bei purzelnden Preisen wird sie für eine immer breitere Masse erschwinglich. “Ich leb’ online” sagt die Werbung – und das ist nur mit einer “Full Flatrate” wirklich möglich. Zum Frühstück kurz die Nachrichten lesen, nach der Arbeit sich eine Weile in einer Community mit anderen Menschen politisch austauschen, zwischendrin Bankgeschäfte erledigen, online Shoppen oder einfach das Fernsehprogramm konsultieren… und nach der TV-Doku sich nochmal in das Thema näher einlesen.
In der Regel werden Flatrates nur noch für den Internet-Zugang über DSL-Verbindungen angeboten. Selten sind Flatrates über Telefonverbindungen (Modem oder ISDN) geworden. Für Bewohner von Ballungsräumen ist das kein Problem, DSL ist hier sowieso die interessantere Variante. Wer aber aus technischen Gründen – etwa in kleinen (Vor-)orten – keinen DSL-Zugang bekommen kann, schaut in die Röhre bzw. zahlt im Minutentakt mit dem langsamen Modem. Hier lohnt sich der Blick auf das Angebot einer eventuell vorhandenen, lokalen Telefongesellschaft besonders. So bietet etwa die Firma Breisnet im Großraum Freiburg zusätzlich zu einer sehr interessanten DSL-Flatrate auch noch zwei ISDN-Flatrates an. Onlinekosten.de bietet u. a. eine Übersicht solcher regional verfügbaren ISDN-Flatrates an.
Beim “Rosa Riesen” kostet das alles 0 Euro?
Telekommunikationsunternehmen sind nicht die Wohlfahrt und haben nichts zu verschenken. Nur weil sie mit “0 Euro”-Angeboten werben, müssen sie nicht günstiger sein als andere. Am Ende zahlt immer der Kunde. Der genaue Preisvergleich lohnt sich – auch wenn gerade der Ex-Monopolist nicht für die transparenteste Preisgestaltung berühmt ist. “ISDN-Grundgebühr + DSL-Grundgebühr + Flatrate” macht es leicht, eine billige Flatrate anzubieten, wenn der Kunde beim Vergleich mit der Konkurrenz die “DSL-Grundgebühr” nicht berücksichtigt – die es dort vielleicht gar nicht gibt!
Es lohnt sich also durchaus, mit Stift, Papier und Taschenrechner bewaffnet, die verschiedenen Angebote genau zu vergleichen und dabei auch die – oft umfangreichen – Fußnoten nicht als unwichtig abzutun, sondern sie sehr aufmerksam zu studieren.
VoIP – Voice over was?
Voice over IP, das ist Sprache über das Internet-Protokoll – also Internet-Telefonie. In der Geschäftswelt schon sehr verbreitet, wird sie über Kurz oder Lang auch in die Privathaushalte breiteren Einzug halten. Schon jetzt ist das Problemlos möglich, womit DSL-Flatrates von reinen Internet-Providern – wie etwa QSC – durchaus interessant werden: der Bedarf eines Telefonanschlusses entfällt und durch Einsatz von VoIP-Telefonen ist es auch nicht mehr nötig, zum Telefonieren einen Computer 24 Stunden laufen zu lassen.
(Siehe auch den entsprechenden Blog-Eintrag)
2.05.2005



